30.11.2017

"Bis gleich!"

Gefahr durch Handy und Smartphone

Seit Jahren sinken die Unfallzahlen, dennoch geht es im Straßenverkehr immer noch viel zu gefährlich zu. Vor allem das Phänomen der Ablenkung durch Smartphones und Handys als Ursache schwerer Verkehrsunfälle muss immer wieder in das Bewusstsein der Fahrerinnen und Fahrer gerufen werden.

Die Verkehrssicherheitsinitiative „Sicher unterwegs in Hessen“ widmet deswegen ihre neueste Kampagne „Bis gleich!“ genau diesem Thema. Seit Ende November 2017 weisen landesweit großformatige Plakate an Hessens Straßen auf die Gefahren durch Ablenkungen hin.

Videoclips von Studierenden der Hochschule Darmstadt

Im Sommersemester 2017 haben sich mehr als 30 Studierende des Studienganges Motion Pictures der Hochschule Darmstadt unter Führung von Prof. Alexander Herzog an der Entwicklung von Videoclips zum Thema Ablenkung im Straßenverkehr beteiligt. 19 Entwürfe wurden entwickelt, von denen fünf ausgewählt und zur Realisierung freigegeben wurden. Die Videos befassen sich kurz und prägnant mit Ablenkungssituationen im Straßenverkehr.

Beim Kampagnenauftakt am 30. November 2017 werden die Filme ausgezeichnet. Im Anschluss wird alle sechs Wochen ein neuer Videoclip zum Thema auf dieser Seite und den Social-Media-Kanälen der Aktionspartner veröffentlicht.

Videoclip "Football Match"

Gefahr durch Mobiltelefone am Steuer

Eine aktuelle Studie der Allianz Versicherung besagt, dass jeder 10. Verkehrstote auf einen Unfall durch Ablenkung zurückzuführen ist und bestätigt damit eine Befragung des ADAC von 2015, in der 92 Prozent die Handynutzung am Steuer für gefährlich hielten. 29 Prozent glaubten sogar, die Nutzung von Mobiltelefonen berge das größte Unfallrisiko im Verkehr.

Über ein Drittel gab zu, bei der Handynutzung in eine gefährliche Situation geraten zu sein. Bei jedem siebten von ihnen kam es zu einem Unfall. Dennoch greift über die Hälfte aller Fahrer im Straßenverkehr zum Telefon, oder kann es sich zumindest vorstellen. Jeder zweite greift in einem Stau zum mobilen Telefon. 15 bis 23 Prozent telefonieren ohne Freisprecheinrichtung oder Headset.

Eine repräsentative Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Forsa aus dem Jahr 2016, u. a. beauftragt von der Deutschen Verkehrswacht, geht auf Fahrfehler durch Handynutzung ein. Von den Handynutzern

  • haben 25 Prozent zu spät gesehen, dass die Ampel schon wieder Grün zeigt
  • geben 12 Prozent zu, dass sie durch die Handynutzung von der Fahrspur abgekommen sind
  • haben 10 Prozent zu spät gesehen, dass das Fahrzeug vor ihnen gebremst hat
  • haben 10 Prozent eine Geschwindigkeitsbeschränkung übersehen
  • haben 2 Prozent eine rote Ampel überfahren

Von Forschern der US-amerikanischen Universität Utah wurde bereits im Jahr 2006 herausgefunden, dass die Fahrtüchtigkeit bei Handynutzern während des Fahrens ähnlich eingeschränkt ist wie bei Fahrern mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,8 Promille.

Ablenkung ist ständiger Begleiter

Ob wir nach dem Weg suchen , uns auf Schilder konzentrieren, etwas Ungewöhnliches unsere Aufmerksamkeit bindet oder ob wir die Nachrichten im Autoradio verfolgen: Ablenkung beim Autofahren ist im Grunde ein ständiger Begleiter. Richtig gefährlich wird es, wenn wir unsere Konzentration von der Straße abwenden und uns aktiv anderen Tätigkeiten zuwenden.

Autofahren ist einfacher geworden. Die Fahrzeuge lassen sich einfacher bedienen und viele Hilfseinrichtungen unterstützen den Fahrer. Teilweise fühlen sich die Fahrer unterfordert und sicher genug, um sich mit anderen Dingen beschäftigen zu können. Aber Multitasking ist ein Mythos. Menschen können nicht mehrere Sachen gleichzeitig erledigen. Mit der Konzentration auf die eine Aufgabe sinkt die Konzentration auf die andere.

Was lenkt uns ab? Ein paar Beispiele:

  • Telefonieren
  • Texten, Simsen und Surfen
  • Navigationsgerät bedienen
  • Essen und Trinken
  • Rauchen
  • Lesen
  • Stress und Emotion
  • Aufwühlende Gespräche
  • Schminken und Körperpflege
  • Radio und Musik
  • Aufheben von Gegenständen/Zum Handschuhfach greifen

Aber auch die Landschaft, Gebäude, Werbung und Personen, die unser Interesse auf sich ziehen, führen zur Ablenkung.

Was bewirken Ablenkungen?

Ablenkungen führen zum Mangel an Information, die für die Fahrt relevant sind, führen zu Fehlinterpretationen der Fahrsituation, bewirken Fehlentscheidungen des Fahrers oder verursachen Fahrfehler. In jedem Fall führen Ablenkungen zur langen Blindfahrten.

Die Gefahr, als Fußgänger beim Zusammenprall mit einem Pkw schwer verletzt oder gar getötet zu werden, ist schon bei Tempo 30 extrem hoch. Dabei sind innerorts meistens sogar 50 km/h zugelassen. Gegenüber 30 km/h sind das mehr als fünf zusätzliche Meter, die zurückgelegt werden, ehe das Gehirn den Befehl zum Tritt auf die Bremse gibt! Das dürfte oft genug zu spät sein für das Kind, das seinem Ball nachrennt.

Bis wir auf eine Situation reagieren, vergeht ca. 1 Sekunde. Bei 50 km/h legen wir dabei fast 14 Meter zurück. Bei 30 km/h sind es immer noch über 8 Meter und bei 80 km/h auf der Landstraße sind es über 22 Meter.

  • Ein Smartphone entsperren dauert ca. 4 Sekunden. Das ergibt bei 50 km/h eine Blindfahrt von 56 Metern (33 Meter bei 30 km/h; 89 Meter bei 80 km/h).
  • Eine Zigarette anzünden dauert ca. 7 Sekunden. Das führt bei 50 km/h zu einer Blindfahrt von 98 Metern bei 50 km/h (58 Meter bei 30 km/h; 155 Meter bei 80 km/h).
  • Lippenstift auftragen dauert ca. 10 Sekunden. Bei 50 km/h werden dabei 139 Meter zurückgelegt (83 Meter bei 30 km/h; 222 Meter bei 80 km/h).
  • Eine Telefonnummer wählen dauert ca. 14 Sekunden. Bei 50 km/h werden dabei 194 Meter zurückgelegt (117 Meter bei 30 km/h; 311 Meter bei 80 km/h).
  • Eine SMS tippen dauert ca. 18 Sekunden. Bei 50 km/h werden dabei 250 Meter zurückgelegt (150 Meter bei 30 km/h; 400 Meter bei 80 km/h).

Schon beim kurzen Blick aufs Smartphone könnte im Stadtverkehr unerwartet ein Auto aus einer Ausfahrt kommen. Auf Landstraßen kann hinter einer Kurve ein langsam fahrender Traktor lauern. Der kurze Blick aufs Smartphone könnte der letzte sein.

Tipps zur Vermeidung von Ablenkung

  • Zeitdruck meiden, entspannt losfahren, Navigationsgerät vor Fahrtbeginn einstellen
  • Beide Hände gehören ans Steuer
  • Mit den Gedanken beim Fahren bleiben – sich auf die Verkehrssituation konzentrieren
  • Die Gerätebedienung auf ein Minimum reduzieren – was runterfällt, bleibt liegen
  • Telefonate während der Fahrt vermeiden – Flugmodus einschalten.

 

Auch Anrufer und Beifahrer sind in der Pflicht

Erhält ein Fahrer einen Anruf von einer Person, die weiß, dass der Fahrer gerade unterwegs ist, darf er davon ausgehen, dass es besonders wichtig ist. Eine unnötige Störung wäre schließlich gefährlich. Aber knapp 50 Prozent aller Anrufer machen sich nur selten oder gelegentlich Gedanken, ob der Anzurufende gerade im Straßenverkehr unterwegs ist. Schlimmer noch: 39 Prozent denken überhaupt nicht darüber nach und jeder Dritte Anrufer weiß, dass der Gesprächspartner unterwegs ist.

Nun könnte bei einem Anruf der Beifahrer ans Handy gehen. Aber nur ein Drittel der Beifahrer bietet sich an, ein weiteres Drittel fordert dazu auf, den Anruf zu ignorieren. Dabei lassen sich Handys auch einfach „auf laut stellen“.

Telefonnutzung am Lenkrad wird teuer

Ende September 2017 wurde im Bundestag eine Reform des Bußgeldkatalogs für Verkehrssünden verabschiedet: Wer künftig mit dem Handy oder Smartphone am Ohr erwischt wird, zahlt 100 Euro und erhält einen Punkt im Fahreignungsregister. Liegt zusätzlich eine Gefährdung vor, sind es 150 Euro plus zwei Punkte und ein einmonatiges Fahrverbot. Kommt es zudem zu einer Sachbeschädigung sind es noch einmal 50 Euro mehr, die gezahlt werden müssen. Zudem wurde eine Gesetzeslücke in dieser Angelegenheit geschlossen: Tablet und Notebook wurden ebenfalls in diese Verbotsliste aufgenommen. Übrigens: Das Telefonierverbot gilt auch für Radfahrer!

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