12.11.2015

Vom Sehen und Gesehen werden

Aktion "Dich will ich sehen!"

Trübes Wetter, Dunkelheit, diffuses Licht: Schlechte Sichtverhältnisse sorgen im Herbst und Winter für besonders viele Unfälle. Daher sollten alle im Straßenverkehr für gute Sicht und Sichtbarkeit sorgen, egal ob Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger - aber vor allem Kinder!

Mit der Plakat-Kampagne "Dich will ich sehen!" warnt die Initiative "Sicher unterwegs in Hessen" an Hessens Landstraßen vor Gefahren durch schlechte Sicht im Herbst und Winter.


Dunkelheit mindert die Sehschärfe

Bei schwierigen Lichtverhältnissen sinkt die Sehschärfe drastisch. Bei Dunkelheit ist das Sehvermögen des Menschen um bis zu 95 Prozent schlechter als bei Tageslicht. Fußgänger und Radfahrer sind in der dunklen Jahreszeit von Autofahrern besonders schwer zu erkennen. Sie müssen sich daher deutlicher von ihrer Umgebung abheben, um aufzufallen.

Kampagnenauftakt: Testfahrt im Dunkeln - 3:02 Min
(© hr | alle wetter, 19.11.2015)

Bei schlechter Sicht sieht ein Autofahrer einen dunkel gekleideten Fußgänger erst aus rund 25 Metern Entfernung. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h beträgt der Anhalteweg bei einer Notbremsung aber schon etwa 28 Meter. Bei heller Kleidung wird ein Fußgänger bereits aus 40 Metern, mit reflektierender Kleidung sogar schon aus 130 bis 140 Metern gut erkannt.

Reflektierende Kleidung und Schulranzen können Leben retten

Für Fußgänger, Sportler und Radfahrer, die bei Dunkelheit unterwegs sind, ist das Tragen von Schuhen und Jacken mit integrierten Reflexmaterialien sinnvoll. Reflektoren gibt es zudem zum Aufnähen, Aufbügeln oder Anstecken. Laut einer Umfrage tragen aber nur die wenigsten Fußgänger solche Hilfsmittel. Über die Hälfte verzichtet komplett darauf. Ein gutes Viertel der Radfahrer erfüllt zudem nicht die Vorschriften, was Beleuchtung und Reflektoren betrifft. Dabei ereignet sich jeder fünfte Unfall mit einem Fahrrad in der Dämmerung oder der Nacht. Bei schwierigen Lichtverhältnissen sinkt die Sehschärfe drastisch. Bei Dunkelheit ist das Sehvermögen des Menschen um bis zu 95 Prozent schlechter als bei Tageslicht. Fußgänger und Radfahrer sind in der dunklen Jahreszeit von Autofahrern besonders schwer zu erkennen. Sie müssen sich daher deutlicher von ihrer Umgebung abheben, um aufzufallen.

Besonders gefährdet sind Kinder: Statistisch wird alle 27 Minuten in Deutschland ein Kind von einem Auto erfasst. 30.000 Kinder unter 15 Jahren sind es im Jahr. Im Herbst und im Winter ist die Zahl der Unglücke auf dem Schulweg doppelt so hoch wie im Frühjahr und im Sommer. Dabei kann schon ein Schulranzen mit reflektierenden Elementen helfen, Unfälle zu vermeiden. Empfehlenswert sind solche, die die Norm DIN 58124 erfüllen.

Generell sind Kinder im Straßenverkehr besonders gefährdet. Erst ab dem Grundschulalter fangen sie an zu verstehen, dass ihre geringere Körpergröße sie schlechter erkennbar macht und ein Autofahrer sie nicht automatisch sieht, nur weil sie den Autofahrer sehen. Sechsjährige reagieren zudem zwei- bis dreimal langsamer als Erwachsene und ihr Gesichtsfeld ist noch eingeschränkt. Kinder lassen sich leichter ablenken, können nicht mit Sicherheit bestimmen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt.

Sind die Scheinwerfer am Auto intakt?

Eine voll funktionsfähige Lichtanlage ist beim Autofahren unentbehrlich. Dennoch wurden im Jahr 2014 beim deutschlandweiten "Licht-Test" bei rund jedem dritten Auto defekte oder falsch eingestellte Hauptscheinwerfer gefunden. Von den Bussen und Lastwagen waren sogar 42,8 Prozent mit Fehlern an der Beleuchtung unterwegs.

Die Überprüfung der Licht-Anlage durch eine Kfz-Werkstatt dauert nur etwa 15 Minuten. Kleinere Beanstandungen beseitigen die Werkstätten oft gleich und kostenlos.

"Intelligentes" Licht erlaubt gute Sicht ohne zu blenden

Die Scheinwerfertechnik hat sich seit der Erfindung des Automobils enorm verbessert. Schon seit vielen Jahren gibt es für viele Fahrzeuge Xenon-Systeme mit Kurven- und Abbiegelicht. Mögliche Hindernisse und schlecht oder gar nicht beleuchtete Verkehrsteilnehmer sind damit frühzeitiger erkennbar.

Adaptive LED-Technik, die zunehmend in Fahrzeugscheinwerfern neuester Generation verwendet wird, bietet noch mehr und "intelligentes" Licht: In einem Scheinwerfer sind eine Vielzahl von Leuchtdioden zusammengefasst. Damit lässt sich ein Lichtkegel erzeugen, der den Erfordernissen exakt angepasst ist. Die Straße wird taghell ausgeleuchtet, während entgegenkommende Fahrer aber nicht geblendet werden.

Ohne die Augen geht nichts

Auch das eigene Sehvermögen ist wichtig. Es sollte regelmäßig vom Augenarzt oder Optiker kontrolliert werden. Kinder und Erwachsene mit Sehschwächen sind deutlich häufiger in Unfälle verwickelt als Personen, deren Augen in Ordnung sind. Schon im Vorschulalter haben rund 20 Prozent der Kleinen Sehprobleme.

Gerade bei Kindern verändert sich das Sehvermögen oft alle paar Monate. Für Erwachsene gilt grundsätzlich die Empfehlung, sich ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre untersuchen zu lassen. Dann tritt die so genannte Altersweitsicht häufiger auf.

Über die Initiative

Die Initiative "Sicher unterwegs in Hessen" besteht seit über 20 Jahren. Seit 1993 gehören ihr das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, der ADAC Hessen-Thüringen, der Hessische Rundfunk mit seinem hr3-Radioprogramm, der TÜV Hessen und die Landesverkehrswacht Hessen an.

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