03.05.2015

Gelassenheit für ein gutes Miteinander

Aktion "6 Räder - 1 Gedanke"

Raserei, rüpelhaftes Verhalten, waghalsige Überholmanöver: Das Bild vom Motorradrowdy steckt in den Köpfen vieler Autofahrer. Dabei sind Motorradfahrer ebenso wenig pauschal Raser, wie Autofahrer permanent den Bikern die Vorfahrt nehmen. Die Kampagne "6 Räder – 1 Gedanke" ruft zu Gelassenheit im Straßenalltag auf.

Sobald sich die Sonne zeigt, schlüpfen die Biker. Nicht nur Cabriofahrer, sondern auch viele Motorradfahrer sind mit Saisonkennzeichen unterwegs. Und so werden die Unfallstatistiken nebenbei zum Indikator, ob die Sommermonate lang und angenehm oder kurz und verregnet waren.

Meist im April steigt die Unfallhäufigkeit mit Höhepunkt im Juli oder August. Ab September halbieren sich dann in der Regel die traurigen Zahlen. Bei den Autos gibt es hingegen keinen typischen Unfallmonat. 2014 war es der Juli, 2013 der November und 2012 der Mai, der die meisten Einsätze von Polizei und Rettungsteams mit sich brachte.

Aktuelle Unfallzahlen
Zwar sinken seit Jahren die Unfallzahlen, dennoch verunglücken nach wie vor viele Menschen im Straßenverkehr. Im Jahr 2014 gab es 223 Tote auf Hessens Straßen und 28.159 Verletzte, von denen 4.878 nach einem Unfall stationär ins Krankenhaus mussten. Bei den Motorradfahrern schwankte die Zahl der Verkehrstoten in den letzten Jahren zwischen 43 und 51.

Auto oder Motorrad – wer ist öfter Schuld, wenn es kracht?

Rund 7,6 Prozent der in Hessen zugelassenen Fahrzeuge sind Motorräder verschiedener Bauart, 84 Prozent Autos und der Rest Nutzfahrzeuge wie Lkw, Busse und Traktoren. Analysen haben ergeben, dass sich die Schuld an Unfällen genauso auf die einzelnen Gruppen verteilt. Bei Motorradfahrern liegt der Anteil höchstens ein Prozent darüber, bei den Pkws einen Punkt darunter. Ein Pauschalurteil wie Motorradfahrer seien Verkehrsrowdys, ist also falsch.

Auch das Klischee vom Raser trifft nicht zu. Zwar steht unangepasste Geschwindigkeit für Zweiradfahrer als Unfallursache an erster Stelle, aber das galt bis 2009 auch noch für Autofahrer. Erst in den letzten Jahren führen falscher Abstand und Missachten der Vorfahrt als Ursache die Unfallstatistik an. Bei Motorradfahrern machen Abstandfehler und misslungene Überholmanöver zusammen etwa 30 Prozent aller erfassten und ausgewerteten Unglücke in Hessen aus.

Typische Motorradstrecke gleich Unfallstrecke – stimmt das?

Der eine Typ Motorradfahrer ist derjenige, der durch die Landschaften "cruist". Hier bieten sich in Hessen gleich mehrere teils mit Motorsporttradition verknüpfte Gegenden an. Doch weder entlang bekannter Strecken im Taunus, im Odenwald oder im Grand-Prix-erprobten Vogelsberg noch in den kurvenreichen Höhenlagen von Rhön und Kellerwald fallen Unfallhäufungen für motorisierte Zweiräder auf.

Rein zahlenmäßig kracht es in Deutschland am häufigsten in Städten, in Hessen insbesondere in Frankfurt. Hier ist es auch besonders gefährlich für Zweiradfahrer. In den Straßenschluchten „Mainhattans“ sind regelmäßig Todesopfer zu beklagen. Zum Klischee des Rasers passt das nicht, denn der braucht eher eine freie Strecke.

Sind Motorradfahrer oft unter Alkohol und Drogen unterwegs?

Fahren unter Einfluss von Alkohol oder anderen Rauschmitteln ist unter "richtigen" Bikern überhaupt kein Thema. Es gibt sogar mehr Fälle im Lastkraftverkehr. Alkohol am Lenker gibt es zwar, aber das fällt vor allem auf Fahrer von Mofas und Mopeds. Bei den Leichtkrafträdern sind ebenso eher die Fahranfänger im Teenageralter wie bei den Autos betroffen.

Übrigens: Bezogen auf den prozentualen Anteil der ermittelten Verstöße sind alkoholisierte Fahrradfahrer und Fußgänger häufiger in Unfälle verwickelt als die statistisch typischen Pkw- und Motorrad-Fahrer.

Welchen Einfluss hat das Alter der Fahrer?

Wichtiger als das Fortbewegungsmittel ist das Alter. Überdurchschnittlich oft verunglücken Fahrer in einem Alter, das für wenig Fahrpraxis steht. Auf zwei Rädern sind es die 15- bis 17-Jährigen, im Auto die 18- bis 23-Jährigen. Allerdings sinkt bei den Moped- und Motorradfahrern die Zahl ab dem 18. Lebensjahr drastisch, während im Auto die Mittzwanziger noch zu den Hauptrisikogruppen gehören.

Doch wer glaubt, mit fortgeschrittenem Alter müsste mit wachsender Routine das Fahrkönnen steigen und gleichzeitig die Risikobereitschaft sinken, irrt. Tatsächlich sind die am häufigsten in Unfälle verwickelten Personen im vermeintlich besten Alter zwischen 45 und 54 Jahren. Das gilt für Motorrad- und Autofahrer gleichermaßen.

Wie lassen sich die Zahlen interpretieren?

Bei den Autofahrern macht Fahrpraxis anscheinend doch unvorsichtig und ein falsches Sicherheitsgefühl führt zu Übermut. Bei den Bikern hingegen macht sich die Gruppe der Wiedereinsteiger bemerkbar, die lange nicht gefahren sind und denen so letztlich doch die Fahrpraxis fehlt.

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